Gut ausgeschlafen sind wir wie so oft gegen 8 Uhr aufgestanden und haben uns dann langsam für den Tag gerichtet. So konnten wir entspannt packen und aufbrechen. Leider hat Mama dann festgestellt, dass ihr Mantel sehr abgefahren ist und schon eine Beule schlägt – das Geräusch hatten wir gestern schon gehört, als er immer wieder geschliffen hat.

Wir mussten also möglichst schnell einen Radladen finden, um einen neuen Mantel zu besorgen. Google Maps war da aber keine große Hilfe und meinte, der nächste Laden sei erst bei Riga – also noch gute 140 Kilometer entfernt. Ich hatte gehofft, dass ihr Mantel bis dahin durchhält. Diese Hoffnung hat sich dann aber schnell in Luft aufgelöst. Um ehrlich zu sein, war ich auch etwas gestresst, weil ich meinen Mantel immer regelmäßig überprüfe, um genau solche Situationen zu vermeiden. Mein Verständnis für Mamas berechtigte Sorgen war deshalb anfangs etwas kurz. So habe ich beschlossen, dass es für uns beide besser ist, wenn ich schon mal in den nächsten Ort (ca. 2 Kilometer) vorfahre und dort die Läden abklappere – vielleicht hat ja einer Radteile.

Kaum war ich los, schrieb mir Mama, dass sie jetzt schiebt, weil der Reifen anfängt Luft zu verlieren. Damit war klar: Wir brauchen auf jeden Fall einen neuen Mantel.
Ich kam an mehreren Tankstellen vorbei, die nichts hatten, dann sogar an einem Radladen – der aber freitags nicht geöffnet war. An einem Baum hingen dort immerhin alte Schläuche, die wir im Notfall hätten nutzen können, um bis zum nächsten Laden zu kommen.

Allerdings kam ich dann an einem Geschäft vorbei, das „AMAZONe“ hieß. Drinnen gab es tatsächlich eine fast „amazonhafte“ Auswahl – von Werkzeug über Haushaltswaren bis hin zu ein paar Radsachen. Unter anderem auch Mäntel, allerdings von einer mir unbekannten Marke, die nicht besonders vertrauenerweckend aussah. Aber dann hing da auch ein Tourenreifen von Continental in 42-622 – genau der, den ich sogar aus einer größeren Auswahl gewählt hätte. Den habe ich sofort gekauft und Mama an einer Tankstelle wieder getroffen, wo sie schon angefangen hatte, den alten Reifen zu entfernen.

Zu unserer beider Zufriedenheit konnten wir das Rad problemlos reparieren und die missliche Lage so entspannt wie möglich lösen. Wir haben danach noch darüber gesprochen und waren uns einig, dass es ein größeres Problem war, das wir ziemlich gut gemeistert haben.

Danach ging es entspannt weiter – kurz noch in einen anderen Laden, um etwas zu essen zu besorgen. Dort haben wir Jan und Tabea getroffen, die durch die baltischen Länder radeln. Mit den beiden haben wir uns über die Strecke ausgetauscht. Britta und Martin hatten uns schon gewarnt, dass die Strecke an der A1 wegen der vielen LKWs sehr stressig sei. Wir entschieden uns deshalb, ins Landesinnere auszuweichen – ein Umweg von mindestens 20 Kilometern, der sich als deutlich entspannter und landschaftlich sehr schön herausstellte.

Jan und Tabea haben sich uns angeschlossen, und wir sind den Rest des Tages zusammen gefahren. Erst mit leichtem Rückenwind, dann leider mit Gegenwind, aber dafür auf einer kleinen Straße ohne viel Verkehr. Die Landschaft war toll – aber fototechnisch das gleiche Problem wie die letzten Wochen: „Was soll ich fotografieren? Auf den Bildern sieht alles gleich aus“, auch wenn es sich beim Fahren deutlich abwechslungsreicher anfühlt.

In Limbaži haben wir Greta wiedergetroffen – allerdings hatte sie ihre Pause schon hinter sich und ist zügig weiter. Wir haben uns vom nicht gerade langsamen Fahren eine längere Pause gegönnt und sind nach einer Stunde erholt weiter in Richtung Campingplatz gefahren.

Die letzten 30 Kilometer sind wir etwas gemütlicher angegangen, was bei dem Gegenwind auch ganz angenehm war. Zwei Kilometer vor dem Campingplatz kam dann der erste Ortsschildsprint der Tour – Radsport-Talk in Action. Jan hat den Sprint für sich entschieden.

Der Campingplatz, auf dem wir jetzt sind, ist okay, aber nichts Besonderes – die letzten waren schöner. Für einen gemütlichen Abend mit Jan und Tabea hat es aber voll gereicht. Gegen 23 Uhr sind wir dann erschöpft ins Bett gefallen.


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