Mit Arielle und Gerard habe ich den Morgen ganz entspannt angehen lassen (wie oft habe ich diesen Satz jetzt schon geschrieben??). Dann habe ich noch versucht, meine Speiche auszutauschen. Dafür konnte ich am Campingplatz Werkzeug ausleihen, leider waren die Speichen von Arielle und Gerard zu kurz und eine passende konnte ich nicht auftreiben. Also habe ich alles wieder zusammengebaut und den nächsten Radladen rausgesucht. Arielle und Gerard haben sich für eine andere Route entschieden, in der Hoffnung, weniger Schotterpisten zu haben. So haben sich unsere Wege getrennt, aber wir haben uns für den Abend wieder verabredet. Ihre Route hatte wohl auch etwa 10 Kilometer Schotter – ein bisschen weniger als meine, aber auch nicht viel.

So bin ich dann alleine losgeradelt, erst über Schotterpisten, und nach 20 Kilometern stand ich plötzlich vor der Wolfsschanze – dem alten Hauptquartier der Nazis. Davon war ich echt überrascht, ich wusste ehrlich gesagt nicht, von wo aus Hitler den Zweiten Weltkrieg geleitet hatte. Von 1941 bis 1944 war er wohl viel dort. Die Nazis haben zwar versucht, die Bunker beim Verlassen alle zu sprengen, aber die waren so massiv gebaut, dass viele noch zu großen Teilen stehen.

Ich habe mir einen Audioguide geholt und bin über das Gelände gelaufen. Das war richtig gut gemacht und der Guide war echt interessant. Für meinen Geschmack war das Ganze aber etwas zu unkritisch. Die Gräueltaten der Nazis kamen mir zu kurz. Ich erinnere mich, dass es vor ein paar Jahren genau darüber eine Debatte gab und dass seitdem zwar ein bisschen mehr dazu auf dem Gelände ist – aber eben nur ein sehr kleiner Teil.

Mit vielen Orten der Vergangenheit hatte ich auf meiner Reise gerechnet, aber mit diesem hier nun wirklich nicht.

Danach habe ich mich auf den Weg zum Radgeschäft gemacht und bin in einem kleinen Laden gelandet. Dort konnte zwar niemand Deutsch oder Englisch, aber ein netter Mann, der zufällig auch da war, hat ein bisschen übersetzt – und so hat alles super geklappt. Der Mechaniker hat mir eine neue Speiche eingesetzt und das Rad wieder zentriert. Jetzt bin ich also wieder voll einsatzfähig weitergeradelt.

Nach einem kurzen Einkauf habe ich Arielle und Gerard nach etwa 30 weiteren Kilometern sogar schon vor unserem vereinbarten Treffpunkt wiedergetroffen. Wir sind dann noch 10 Kilometer zusammen gefahren, bis wir in einem kleinen Ort eine Schule gesehen haben, auf deren Wiese wir gut hätten schlafen können. Ich wollte das aber nicht ohne Absprache machen, also haben wir Leute im Ort gefragt – und sind schließlich in einem privaten Garten gelandet, wo wir heute übernachten dürfen. Richtig toll! Wir haben dann noch zusammen zu Abend gegessen und sind zeitig ins Bett gegangen, als es dunkel und feucht wurde.


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