Bei Julia haben wir uns super von dem gestrigen Unwetter erholen können und sind heute dann Richtung Westen aufgebrochen. Aber erst haben wir noch die Reiseapotheke aufgefrischt – ich bin jetzt gegen alle Eventualitäten gewappnet.

Schon beim Rausfahren aus Dormagen haben wir den Grund für die Existenz unseres heutigen Zieles gesehen und den weißen Rauch am Horizont entdeckt. Der Weg war durchaus schön und vielseitig, aber nicht mehr alle Orte, durch die wir gefahren wären, existieren noch.




Nach ca. 30 km haben wir unter einem Windrad Mittag gemacht und die Sonne genossen.
Ich möchte einfach die Bilder für sich selbst sprechen lassen – ich finde gar nicht die richtigen Worte, um zu beschreiben, was sie in mir auslösen. Es ist so brutal und auf seine Weise beeindruckend, aber nicht auf eine gute Art.




Der Tagebau Garzweiler ist eine der drei Kohlegruben im rheinischen Revier. Für den Tagebau mussten 21 Dörfer abgerissen werden – oft gegen den Willen der Bewohner*innen. Durch den Tagebau sinkt der Grundwasserspiegel in der ganzen Region und muss künstlich stabilisiert werden.
Das gesamte Gebiet Garzweiler ist 114 Quadratkilometer groß. Jährlich fördert RWE dort aktuell 30–35 Millionen Tonnen Braunkohle, um sie in den nahe gelegenen Braunkohlekraftwerken zu verbrennen. 2030 soll der Braunkohleabbau enden, und es soll ein See mit einer Fläche von 23 Quadratkilometern entstehen.
Ich finde diese Zahlen und Dimensionen so unfassbar, dass ich sie wirklich nicht fassen kann. Die Mengen an Erdreich, die in diesem Gebiet umgewälzt werden, sind einfach abstrus.
Im Nachhinein haben wir verstanden, dass der Ort, an dem wir gegessen haben, auf ehemaligem Tagebau lag, der mittlerweile wieder renaturiert wurde – uns ist das gar nicht wirklich aufgefallen.
Und auch die Ortschaften um den Tagebau herum machen das Beste aus der Situation und freuen sich auf den neuen See, der dann im Jahr 2100 fertiggestellt werden soll.
Aber nun genug von deprimierenden fossilen Energien und hin zu den schönen Dingen:

Bei diesen betuchten Damen haben wir spontan geklingelt, um nach Wasser zu fragen – und auch direkt welches bekommen, auch wenn wir es im Nachhinein wohl gar nicht gebraucht hätten.

Denn wir sind an einem netten Bauernhof vorbeigefahren, der ein „Eier zu verkaufen“-Schild draußen hatte, und wir wollten sowieso noch welche kaufen. Wir sind dann mit dem Bauern ins Gespräch gekommen und haben gefragt, ob wir auf der Wiese unser Zelt aufschlagen dürfen – und schlafen jetzt zwischen Rindern und Hühnern auf einer schönen Wiese, auf einem super gastfreundlichen, tollen Hof.
Zum Abendessen haben wir es uns nochmal richtig gut gehen lassen und Nudeln mit selbstgemachtem Pesto und dazu Spiegelei gegessen.

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